6 Dinge, die du wissen solltest, bevor du in Aix-en-Provence studieren gehst

 

Liebe TübAix-Studierende (oder die, die es werden wollen), 

 

ihr seid Teil eines wunderbaren Studiengangs, der euch die Möglichkeit bietet, den französischen Unialltag hautnah zu erleben – und zwar im Rahmen eines Geschichtsstudiums. 

Doch aufgepasst: Das französische Hochschulsystem unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom deutschen System. Deshalb geben wir euch hier einen kurzen Einblick in das Geschichtsstudium an der Aix-Marseille Universität und informieren euch über all die Punkte, die für einen reibungslosen Start wichtig sind.

1. Arbeitsaufwand und Organisation:

Eine kurze „Schreckensnachricht” ganz zu Beginn: Studieren in Frankreich ist verbunden mit einem hohen und kontinuierlichen Arbeitsaufwand. Also seid bereit „to work hard” – und das bereits in den ersten Semesterwochen. In der Regel müsst ihr jede Woche in den verschiedenen Übungen (französisch: travaux dirigés, kurz: TD) eine schriftliche Arbeit einreichen, sei es ein „Commentaire de texte” oder eine „Introduction”. Eine Introduction innerhalb eines Commentaire dient dazu, dem Leser oder der Leserin einen ersten Eindruck über den Verfasser und den Kontext des Textes zu vermitteln. Dieser Teil umfasst auch die behandelte Problemstellung und eine Art Inhaltsverzeichnis, sodass der Leser sich anschließend im Text orientieren kann. 

Aber keine Sorge: In Frankreich werden zur Vorbereitung eines TDs nicht hunderte Seiten Text gelesen, sondern kleinere Abstracts, die man kommentieren soll.  

Eine andere Besonderheit des französischen Hochschulsystems sind die verschiedenen Komponenten der Modulnoten. Natürlich gibt es eine benotete Klausur am Ende des Semesters. Doch diese Note wird durch den „contrôle continu” ergänzt. Der „contrôle continu” beinhaltet einerseits die Noten, die während des Semesters für die „Hausaufgaben” zur Vorbereitung der TDs vergeben werden und anderseits die „Partiel de mi-semestre”. Dies sind Klausuren die i.d.R. in der Mitte des Semesters stattfinden. Das kann jetzt ein bisschen abschreckend wirken, allerdings hat dieses System durchaus positive Seiten: Ihr bleibt während des Semesters kontinuierlich dran und bearbeitet den Stoff dann nicht erst – wie so oft – auf den letzten Drücker wenn die Klausur bevorsteht. Außerdem hängt damit nicht alles von der Abschlussklausur ab. Es ist also kein Weltuntergang, wenn ihr mal eine Note versiebt – ihr bekommt genug andere Chancen, um dies wieder auszugleichen.

3. Klausuren: 

Im Geschichtsstudium in Frankreich werdet ihr aufgefordert entweder ein „Commentaire de texte” oder eine „Dissertation” in der Klausur zu schreiben. Dafür habt ihr vier Stunden Zeit.  Bei einem „Commentaire de texte” wird eine Textquelle zur Verfügung gestellt, über die ihr eine strukturierte Analyse anfertigen müsst. Hierfür gibt es eine streng geregelte Methode, die einen großen Teil der Note beeinflusst.  An sich ist diese Art von Aufgabe sehr interessant, denn es handelt sich nicht um eine reine Kursabfrage, wie es bei Multiple-Choice-Klausuren der Fall wäre, sondern um eine auf den Kurs bezogene Analyse eines Textes. Anspruchsvoll, aber spannend!

Eine „Dissertation” ist eine Argumentationsaufgabe, bei der ein Thema in einem Satz vorgegeben wird. Am Anfang der Prüfung kann das ein bisschen irritierend wirken, einen Satz zu sehen und nichts damit anzufangen können. Doch nicht verzweifeln! Auch diese Prüfungsart kann echt interessant sein: Bei dieser Aufgabe muss das Thema genau entschlüsselt werden. Dabei ergibt sich eine Struktur für den Argumentationsteil, basierend auf dem Wissen, das ihr im Studium erlernt habt. Das klingt komplex, doch keine Sorge – ihr werdet durch eure Kenntnisse fähig sein, so eine Themenanalyse durchzuführen. 😊  

2. Noten: 

In Frankreich werden die Studiumsnoten durch Punkte angegeben. Studierende können dabei maximal 20 Punkte erreichen. 10 Punkte braucht man jedoch mindestens, um eine Klausur zu bestehen. Dies gilt auch für das gesamte Semester: Wenn die Durchschnittsnote von allen Modulen, die ihr besucht habt, über 10 Punkten liegt, habt ihr das Semester bestanden. Das bedeutet also, dass ihr Fächer, die euch vielleicht nicht so liegen, ganz einfach wieder mit anderen Fächern, in denen ihr besser seid, ausgleichen könnt. 

 

 

 

 

4. Kursarten

In Aix-en-Provence gibt es hauptsächlich zwei Arten von Kursen. Einerseits die „Cours Magistral” (kurz: CM) als Äquivalent zu deutschen Vorlesungen und anderseits die „Travaux dirigés” (kurz: TD) – das Pendant zu deutschen Übungen. In CMs halten Dozierende eine Art Vortrag. Diese dauern i.d.R. zwei Stunden, manchmal mehr oder weniger. Die Anwesenheit ist nicht verpflichtend, jedoch sehr empfehlenswert, da die PowerPoint-Präsentationen der Dozierenden öfters sehr leer sind und daher inhaltlich nicht ausreichen, um sich auf die Klausur vorzubereiten. In TDs werden die Vorlesungsinhalte hingegen tiefergehend besprochen, und es werden Quellen und Texte bearbeitet. TDs sind Pflichtveranstaltungen, die in kleineren Gruppen stattfinden. Hier habt ihr also die Möglichkeit, Fragen zu stellen und euch am Kurs zu beteiligen. Außerdem müsst ihr in TDs Referate vorbereiten, aber das ist auch nicht immer der Fall. Zusätzlich zu den Geschichtskursen gibt es einen Sprachkurs. Der ist Pflicht, da er nämlich zur Endnote dazugerechnet wird. Das Sprachangebot in Aix ist ziemlich breit gefächert: Von Englisch bis Sanskrit ist alles dabei… Eine besondere Empfehlung von uns: Besucht einen Sportkurs! Die sind in Aix-en-Provence nämlich kostenlos und können mit bis zu 0,5 Punkten bei der Endnote dazuzählen. Und ganz nebenbei bekommt ihr so den Kopf frei und habt anschließend wieder mehr Power, um euch auf die Uni zu konzentrieren.  Bonuspunkte bekommt ihr außerdem auch, wenn ihr euch bei einem Projekt beteiligt wie bspw. Mission-Handicap, wo ihr die Möglichkeit habt Studierenden mit Behinderung zu helfen.  

5. Mittippen in Kursen 

Weite, breite Stille und das Klick-Geräusch von Computer-Tastaturen… Das wird euch vermutlich ein wenig erstaunen, wenn ihr eure erste Vorlesung in Frankreich besucht. Denn französische Studis tippen alles mit, was der Prof vorträgt. Dies hat einen guten Grund: Neben dem Vortrag stehen nämlich nur sehr wenige Unterlagen zur Verfügung. Deshalb kann das am Anfang ein bisschen erschreckend sein, wenn ihr nicht ganz folgen könnt und beim Sitznachbarn schon 100 Zeilen auf dem Laptop stehen. Doch fragt einfach eure französischen Kommilitonen, ob ihr deren Notizen haben könnt. Die meisten sind sehr freundlich und hilfsbereit. 

6. Hochschulgruppen in Frankreich 

Im Vergleich zu deutschen Hochschulen sind Hochschulgruppen in Frankreich eher eine Seltenheit. Wenn du dich dennoch engagieren möchtest, solltest du außerhalb der Universität mal nach passenden Angeboten schauen. Fachschaften oder BDE gibt es zwar auch, jedoch sind die weniger aktiv als in Deutschland. BDE steht für „Bureau des étudiants” – im Prinzip ist das wie eine Fachschaft. 

Die Fachschaft Geschichte organisiert hin und wieder Exkursionen und Partys, die sehr unterhaltsam sind. Diese finden meistens unter der Woche statt. Samstags und sonntags gibt es nicht so viele Veranstaltungen für Studierende, da viele der französischen Studis am Wochenende nach Hause fahren. Nichtsdestotrotz werdet ihr auch am Wochenende schöne Abende und viel Spaß haben!  

In Aix und auch in ganz Frankreich gibt es ein Erasmus-Netzwerk, welches sehr viel für Studierende aus dem Ausland organisiert. Nimmt an deren Veranstaltungen teil, denn dort könnt ihr fix sehr nette Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. 

Wir wünschen euch ein erfolgreiches Studium in Aix-en-Provence und natürlich viel Spaß & Freude dabei! Schreibt uns gerne, wenn ihr eigene Erfahrungen gesammelt oder eine Frage habt 🙂

 
Marie, Coralie, Louise, Elyssa |

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